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Reisen mit Drachen: Strategien für übergewichtiges Fluggepäck

Übersetzt von Karsten Schneymann [kms]

Immer zuviele Taschen Gepäckbeschränkungen von Fluggesellschaften sind knapp und werden knapper. Aber es ist nicht so toll für euch (oder die Drachenveranstaltung, zu der ihr reist), wenn man 3000.-NZD(Neuseeländische Dollar) für einen Flug bezahlt und nur mit 10kg Drachen zum Fliegen anreist (wenn es nicht gerade Miniaturen sind). Für mehr zu zahlen ist auch keine Lösung; gerade mal 10kg Übergewicht können soviel kosten wie ein weiterer Flug. Wie nimmt man also möglichst viele Drachen mit, ohne die Bank zu sprengen?

Der erste Punkt ist, daß Drachenflieger lernen sollten, aus ihrem Handgepäck zu leben (normalerweise 7kg), falls sie es nicht schon machen. Das ist einfach, und hier kommt die männliche Version (es gibt aber auch ein weibliches Gegenstück): Zieht Pulli, Jacke und andere schwere Sachen, wie vorzeigbare Schuhe (zum Reiseantritt sowieso) und Hose an. Packt fünfmal Unterwäsche ein, eine stabile Hose fürs Flugfeld und Überschuhe zum Drachenfliegen (290g, schnell entsorgt, falls sich mal eine Leine gefährlich um eure Füße geschlungen hat). Mit Zahnbürste, Rasierer und einem großen Stück Seife (vergesst Hotelseife) bleiben von den ursprünglichen 7kg immer noch 3kg für ein oder zwei zusätzliche "Pilots".
  Waschen? Duscht oder badet mit der Tageskleidung, zieht frische Sachen für den Abend an und tragt sie wieder zum Fliegen am nächsten Tag (es kann ohnehin keiner etwas riechen, weil ihr euch zu schnell bewegt). Lasst die gewaschene Garnitur nachtsüber auf dem Teppich abtropfen und hängt sie am nächsten Tag irgendwo zum Trocknen auf. Handtuch? Nehmt ein waschreifes T-Shirt! Eigentlich braucht ihr nur vier Wäschegarnituren, sogar für einen Monat oder länger, aber dies bringt Euch in kleinen Schritten zur Reisetauglichkeit.

Schwierigkeiten beim Einchecken vorprogrammiert Punkt Zwei ist: Nehmt Drachen mit, die ihr benutzen wollt, und nutzt sie alle. Bei Beschädigung oder Verlust ist es ein Risiko, keinen Reservedrachen zu haben, und "Pilots" sind am meisten gefährdet – aber ihr habt Ersatz im Handgepäck, denkt daran. Jede andere Beschädigung (bei Soft-Kites sowieso) kann mit Nadel und Faden repariert werden. Während der letzten etwa hundert Veranstaltungen hatte ich nur ein- oder zweimal Beschädigungen, die für eine Feldreparatur zu groß waren. Der deutsche Segelmacher-Standard für das Säumen mit der Hand liegt bei vier Metern, und das passt ungefähr. (Hier eine Randbemerkung: Vor Ort eine Nähmaschine aufzutreiben, dauert fast immer länger als eine Handreparatur. Und selbst wenn eine verfügbar ist, kann sie nicht durch eine Leine nähen, grundsätzlich ist der Faden hoffnungslos zu dünn, die einzige Nadel bricht, und jeder zweite Stich geht völlig daneben – was "alles vorher nie passiert" ist.)
  Und nehmt leichte Leinen und Zubehör mit. Leinenrollen verschwenden Gewicht, und durch sie bleiben auch nicht mehr Drachen länger oben. In Taschen zusammengelegte Leinen bringen weitere 2kg für Drachen.

Der dritte Punkt bedeutet, Zuzahlung bei der Fluggesellschaft auf jede erdenkliche Art zu verhindern und soviel Gewichtszubilligung wie möglich zu bekommen. Das Einchecken ist eine strategische Angelegenheit wie ein Finale. Habt ihr zuviel gewollt oder einfach Pech, gibt es keine andere Wahl als die Kreditkarte herauszuholen. Inlandsflüge bereiten keine großen Sorgen, da Gebühren für Übergewicht gewöhnlich unter NZD 100.- liegen. Wirklich unliebsam sind die Rechnungen von NZD 2000,- und mehr bei internationalen Zielen. Penible Planung und sorgfältiges Packen machen da viel aus.

  • Füllt eure Tasche(n), die eingecheckt werden müssen, bis zum Maximum
    Aber geht nicht darüber, nicht mal um 100g! Es ist nicht offiziell, aber ich glaube, die Industrie- Toleranz für eine 20kg-Höchstgrenze beträgt 3kg. Mit 22‚9kg hat man mich noch nie 'rausgefischt (Hunderte von Check-Ins), aber bei 23‚1 mußte ich für die 3‚1 extra zahlen. Ist die unsichtbare Grenze erst einmal überschritten, scheinen sie voll zuzuschlagen – wahrscheinlich gehen sie davon aus, daß ihr sowieso schon echt sauer seid, da macht es also keinen Unterschied mehr.
  • Packt mehr in euer Handgepäck
    So viel, wie ihr euch traut (abhängig vom Flughafen, der Fluggesellschaft und dem Wissen, wie streng das Check-In-Personal sein wird).
  • Duty-free-Taschen sind unsichtbar
    Sonst könnten Flughäfen ihren Ladenmietern auch nicht so exorbitante Mieten abverlangen, und das Einkommen müsste dann von den Fluggesellschaften kommen.
  • Computer-Taschen sind generell nicht sichtbar
    Sogar dann, wenn dort Schilder besagen: "Nur ein Handgepäckstück je Person". Craig (Hansen), PLKites Ltd, fertigte sich eine Computer-Tasche, in die ein mittlerer Octopus passt.
  • Drachenunterricht Transportiert Sachen in euren Taschen
    Craig hat auch eine spezielle Jacke mit großen Taschen im Rücken, in die etwa 10kg eng gepackter Softkites passen, die das Check-In-Personal nicht bemerken soll. Damit sieht er so bucklig aus, daß sie ihm Rollstuhl und Krankenschwester anboten (Nee, ist nur ein Witz!).
  • Verhalten beim Einchecken ist entscheidend
    Das eure und ihres. Ob es schwierig wird oder ob ihr locker durchkommt, ist oft schon entschieden, bevor ihr überhaupt am Schalter seid. Vielleicht gibt es eine Anweisung, hart durchzugreifen, oder der Anblick großer, hässlicher Drachentaschen in der Warteschlange bestimmt das Bild. Für euch gibt es wirklich nur zwei Möglichkeiten: Den freundlichen, gut gelaunten Versuch, oder ihnen sofort an die Kehle zu gehen. Die erste kann funktionieren, weil Fluggesellschaften gerne eine gute Stimmung haben möchten. Die zweite Möglichkeit (Ich habe gesehen, wie sie lohnend eingesetzt wurde) basiert auf lautem Schimpfen über irgendetwas, auch dann nicht aufzuhören, wenn man an der Reihe ist und zu hoffen, daß sie Übergepäck ignorieren und einen durchlassen. Keine ist todsicher.
  • Einchecken in letzter Minute
    Manche Reisende schwören darauf. Sie hoffen, die Sorge, alle zügig abzufertigen, wiegt schwerer als ein bißchen Übergepäck. Das kann schiefgehen, wenn ein zunehmend gestresster Mitarbeiter blafft "2000 Dollar oder Sie fliegen nicht!", bevor man irgendeine Entschuldigung anbringen kann.
  • Größe macht etwas aus
    Eine kleine, zu schwere Tasche kann da noch durchkommen, wo es für eine große mit gleichem Gewicht nicht möglich ist. Das liegt daran, daß die Supervisor, die überall herumrennen und das Personal anspringen, sobald dies zu freundlich ist, hauptsächlich nach der Größe urteilen, nicht nach Gewicht. Lange Taschen (für Drachen, die immer noch Stäbe haben) sind ein spezielles Problem, doch Beschriftung hilft. Viele Fluggesellschaften bieten besondere Pauschalen für Skier oder Golf-Clubs – darum sind viele Drachentaschen entsprechend beschriftet.
  • Transportiert keine nassen Drachen
    Daß es in der letzten Stunde des letzten Tages einer Drachenveranstaltung regnen wird, ist sicherer als jede Wettervorhersage. Außer Fliegen bei trockenem Wetter gibt's fast keinen Weg, Drachen zu trocknen. Auch nachdem man mehrere Stunden mit dem hoteleigenen Fön zugebracht hat, bleibt ein nasser Maxi-Drachen ein oder zwei Kilo schwerer, Übergewicht anvisierend. Darum ist es am besten, seinen Rückflug für den Nachmittag nach der Drachenveranstaltung zu buchen. Fliegen am Strand ist auch so ein Problem: Sand scheint immer mindestens einen Kilo pro Drachen beizutragen, bis man ein oder zwei Stunden über Gras geflogen ist. Ich habe keine Lösung für Sand, außer man kalkuliert beim Packen bereits eine Reserve ein.
  • Überredet die Fluggesellschaft zu mehr Freigepäck
    Häufig lassen sich Fluggesellschaften vorab auf bis zu 10kg mehr ein, wenn es gute Gründe gibt: Nationales Interesse, Repräsentation des Landes, derartiges Zeug. Doch eine Warnung: 10kg zusätzlich zu den 20kg (eigentlich ja 23kg, siehe oben) sind aus deren Sicht 30kg, nicht 33. Der Vielfliegerstatus erhöht ebenfalls die Gewichtszubilligung. Bei den meisten Fluggesellschaften haben Inhaber einer Gold-Card weitere 20kg (23) frei und können am Schalter der Ersten Klasse einchecken – dort ist eine Diskussion um ein bißchen Übergepäck wesentlich unwahrscheinlicher als am Economy-Schalter, weil es vor den anderen Wichtigtuern, die auch einchecken, einen schlechten Eindruck macht.
  • petalyne Ständig auf die Taschen achten
    An eurem örtlichen Flughafen wird man vielleicht etwas entgegenkommender sein; also nutzt Fluggesellschaften, die Anschlussflüge bieten, und besteht darauf, daß eure Taschen für die ganze Reise eingecheckt werden. Wieder zuhause? Wenn ihr bis dahin nichts verkauft oder verloren habt, könnt ihr etwas verschenken oder fürs Nächstemal da lassen.
  • Bucht eure Reise selber
    Das ist besser als eines der Veranstalterangebote anzunehmen, diese Dinge für euch zu erledigen. Nicht nur, daß die Verantwortlichen gerne vergessen, daß eure Zeit auch Geld ist, sondern sie orientieren sich am nominell Billigsten und lassen die niedrigeren Gewichtsgrenzen von Billigfliegern völlig außer Acht. Das kann darin enden, daß jemand draufzahlen muß, wahrscheinlich ihr, und dann mehr als bei einer Reise mit einem großen Unternehmen. Außerdem bieten Billigflieger keine durchgehende Gepäckaufgabe an, und mit jedem zusätzlichen Check-In steigt die Chance, daß Übergepäck auffällt.
  • Reisen in, von, oder durch die USA
    Das ist das Beste von allem, denn die Regeln sind anders. Bei mehreren aufeinander folgenden Flügen reicht schon eine US-Landung, und die Gepäckregelung für alle Ziele wechselt von 'nach Gewicht' zu 'per Stück'. Das Minimum liegt dann bei je zwei Taschen mit entweder (nominal) 20kg oder sogar 32kg, abhängig von der Gesellschaft.
Peter Lynn, SQ 285, 27. Juni 2009

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